„Zuwanderer in der Stadt“: Integration im Kietz

01.12.2004

Die Zusammensetzung der Zuwanderer in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Nachdem zunächst vor allem ausländische Arbeitnehmer hier lebten, wandelte sich das durch Familiennachzug und Familiengründung.

Inzwischen ist die erste Zuwanderergeneration im Rentenalter. Insgesamt Inzwischen ist die erste Zuwanderergeneration im Rentenalter. Insgesamt ist der Anteil derer, die im Berufsleben stehen, deutlich gesunken. Damit ist neben dem traditionellen Ort, an dem Integration stattfand – der Arbeitswelt – ein weiterer getreten und hat an Bedeutung für Integration gewonnen, nämlich das Wohnquartier. Damit stellt sich die Frage, was Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften für die sozialräumliche Integration von MigrantInnen leisten können. Dies ist der Ansatz des Forschungsprojekts „Zuwanderer in der Stadt“. Gemeinsam daran arbeiten die Darmstädter Schader-Stiftung, der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, der Deutsche Städtetag, das Deutsche Institut für Urbanistik und das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung.

Das Projekt ruht auf zwei Säulen, einem Expertenforum und einem Netzwerk aus acht Städten, Berlin-Mitte, Essen, Frankfurt/ Main, Hamburg, Hannover, Mannheim, München und Nürnberg. Das Expertenforum ist für die Bündelung und Systematisierung der wissenschaftlichen Forschung zuständig und benennt jene Bedingungen und Zusammenhänge, die eine sozialräumliche Integration von MigrantInnen fördern oder auch behindern. Die Aufgabe der Städte im Praxis-Netzwerk ist es, die Ergebnisse des Expertenforums auf die lokalen Zusammenhänge zu übertragen und konkrete Schritte zu entwickeln.

Eine immer wieder auftauchende Frage in Zusammenhang mit Wohnen bezieht sich auf die räumliche Segregation. Gerade in den Ballungsgebieten ist zu beobachten, dass Zuwanderer zusammen in ihren Kietzen leben. Ziel kommunaler Politik war es lange Zeit, eine Mischung von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft und MigrantInnen anzustreben. Bei diesem Ziel aber – so Kirsten Krüger- Conrad von der Schader-Stiftung – sind die Steuerungsinstrumente weitgehend verloren gegangen. In den Ballungsgebieten, zumindest im Westen des Landes, ist der Wohnungsmarkt sehr eng geworden und durch die Privatisierung der Wohnungsbaugesellschaften haben die Kommunen keinen Einfluss mehr auf die Vergabe von Wohnungen.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, aktiv auf eine Mischung hinzuwirken. Zuwanderer, die eng beieinander leben, tun dies auch, um eine Nähe zur Familie zu haben und in ein soziales Netzwerk eingebettet zu sein. In diesem Zusammenhang fällt dann oft der Begriff Ghettobildung. Krüger-Conrad hält den Begriff für überzogen. Mit sozialen Ghettos wie in den USA haben die Ausländerkietze in deutschen Großstädten nichts gemeinsam. Deshalb sollte man auch eher von „ethnischen Kolonien“ sprechen und die Menschen dort fördern, um ihnen eine emotionale Rückendeckung dabei zu geben, sich auf die neue Gesellschaft einzulassen. Das einzige, was verhindert werden müsse, ist die Entwicklung von gesellschaftlichen Parallelstrukturen. Ansetzen müsse die Unterstützung bei der Bildung und Sprachförderung.

Im Februar 2005 werden auf einer Tagung die ersten Ergebnisse des Projekts vorgestellt. Informationen:

Schader-Stiftung
Karlstr. 85
64285 Darmstadt
Tel.: 06151/ 17 59-0
Kirsten Krüger-Conrad
Internet: www.zuwanderer-in-derstadt.de

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Dezember" entnommen.