Faire Kontrolle

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von der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder) 

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1.500 Euro Gebühren für Nicht-Europäer: "Hochschul-Maut"

01.08.2017

Wer in Deutschland ein erstes, berufsqualifizierendes Studium absolviert, bezahlt dafür in der Regelstudienzeit nichts. Es sei denn, man stammt aus einem Land außerhalb der EU: Dann sollen in Baden-Württemberg und Nordrhein- Westfalen ab dem kommenden Wintersemester 1.500 Euro Gebühren fällig sein. Rektor_innen fürchten um die „Internationalisierung“, ausländische Studierende wehren sich.

Die grüne Regierung in Baden-Württemberg hat es schon beschlossen, die GEW dort sprach von einer „beschämenden Hochschul-Maut“. Jetzt will Schwarz- Gelb in Nordrhein-Westfalen nachziehen. Studierende aus Entwicklungsländern sollen befreit werden können, alle anderen Nicht-Europäer sollen zahlen. Mit Einnahmen von „bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr“ rechnet der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Die betroffenen Hochschulen bekommen von den Gebühren pro Semester 300 Euro, um neue Einstiegskurse, Coachings oder Mentorenprogramme zu organisieren. Der Rest des Geldes soll in den Haushalt des Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst fließen.

Die Rektor_innen befürchten, dass die Gebühren exzellente Studierende aus dem Ausland abschrecken könnten. „Die Universitäten haben sich in den letzten Jahren verstärkt um Internationalisierung bemüht. Diese Aktivitäten sollten nicht ausgebremst werden“, sagt der Rektor der Universität Bielefeld, Prof. Gerhard Sagerer. „An den Musikhochschulen in NRW sind im Schnitt etwa 30 Prozent der Studierenden aus dem Nicht-EU-Ausland“, sagt Thomas Grosse, Rektor an der Hochschule für Musik Detmold und Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Kunstund Musikhochschulen in NRW. „Diese exzellenten Leute zu verlieren, wäre eine Schwächung für die Kunst- und Musikhochschulen in NRW.“

Die ausländischen Studierenden werden noch deutlicher. Ihr Bundesverband BAS ruft unter dem Hashtag #whatthefee zu einer Social Media-Kampagne gegen die Gebühren auf. „Ausländische Studierende sind sowohl ein volkswirtschaftlicher Gewinn, als auch ein Gewinn für die öffentliche Hand”, sagt BAS-Sprecherin Maimouna Ouattara. Ihre Anwesenheit habe positive Effekte auf den Wissenschaftsstandort, sie internationalisiere die Hochschulen, verhelfe den deutschen Kommiliton_innen zu wertvollen Erfahrungen.

„Studiengebühren für ausländische Studierende senden ein Signal in die Welt: Wir wollen Euch nicht! Wenn Ihr dennoch kommt, dann werdet Ihr nur aufgrund Eures mitgebrachten Geldes geduldet“, sagt Younouss Wadjinny, Referent für Integration und Antidiskriminierung des BAS. Willkommenskultur für angeblich dringend benötigte Fachkräfte sehe anders aus. Die FDP versuche auf dem „billig durchschaubaren fremdenfeindlichen Trend” Punkte für die Bundestagswahl zu sammeln, sagte Wadjinny.

Kampagnenseite des Bundesverbandes ausländischer Studierender: http://wtf.bas-ev.de/

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration August 2017" entnommen.