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Ein Blick auf die Push- und Pull-Faktoren: OECD-Studie zur Zukunft von Migrationsbewegungen

01.10.2009

Ende August hat die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) die Studie „The Future of International Migration to OECD Countries“ veröffentlicht. Da es um Entwicklungen in den nächsten 20 Jahren geht, hört sich der Titel etwas reißerisch an. Die Studie ist es nicht. Es wäre „unmöglich“ und „vermessen“ eine Voraussage zu machen, wie die Welt 2030 aussieht, heißt es im Text. Deshalb werden auch weniger potenzielle Wanderungsströme untersucht, sondern die so genannten Push- und Pull-Faktoren, die diese auslösen, und deren mögliche Entwicklung.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Oktober 2009" entnommen.

Zu den Pull-Faktoren, also jene Bedingungen, die Menschen aus anderen Staaten motivieren zu wandern, zählt bekanntermaßen der höhere Lebensstandard – Arbeitsmöglichkeiten, Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitssystem, Sozialsystem – in den meisten, aber beileibe nicht allen OECD-Staaten. Gleichzeitig bauen die OECD-Länder angesichts der demografischen Entwicklung neue Pull-Faktoren auf, und zwar um qualifizierte Fachkräfte ins Land zu holen. In der Politik wird das unter dem Begriff „Kampf um die besten Köpfe“ thematisiert.

Gemeint sind damit Studierende, die im Land bleiben und akademisch ausgebildete Fachkräfte. Da aber der Anteil der jungen Leute, die eine akademische Ausbildung durchlaufen, in der OECD steigt, könnte das für einige Länder bedeuten, dass die Nachfrage nach hoch qualifizierten Drittstaatlern sinkt und gleichzeitig in anderen Bereichen Arbeitskräfte fehlen. Der OECD-Bericht nennt als Beispiel den Pflegesektor. Derzeit holen entwickelte Länder Pflegekräfte aus anderen entwickelten Ländern. Dies dürfte sich aus Sicht der OECD dahingehend verschieben, dass Pflegekräfte zunehmend aus Entwicklungsländern kommen werden.

Bei den Push-Faktoren spielt zunächst das deutlich höhere Pro-Kopf-Einkommen in den OECD-Ländern eine Rolle. Auch wenn das in den Entwicklungsländern schneller steigt, wird eine deutliche Lücke bestehen bleiben. Allerdings gibt es da durchaus regionale Unterschiede.

Ein anderer Push-Faktor hängt mit der Bevölkerungsentwicklung in den Entwicklungsländern zusammen. In Südost-Asien und Afrika wird der Anteil der jungen Leute erheblich zunehmen, was den Druck erhöht. In China, Lateinamerika und der Karibik wird es eine alternde Bevölkerung geben, was den Druck mindert.

Unklar ist, wie sich ein anderer Push-Faktor entwickeln wird. Mangelnde Bildungschancen sind derzeit noch ein Grund, auszuwandern. Die tertiäre Bildung wird sich aber in allen Nicht-OECD-Ländern erheblich verbessern, in Südost-Asien dürfte sich die Beteiligung daran bis 2030 verdreifachen, in China und Lateinamerika verdoppeln. Und auch in Afrika und dem Mittleren Osten wird es erhebliche Steigerungsraten geben. Das kann einerseits den Druck senken, da gut ausgebildete Menschen einen höheren Lebensstandard erarbeiten. Andererseits könnte das zu einem Brain-Drain führen, den freilich eher die entwickelten Länder als Pull-Faktor organisieren könnten.

Ein weiterer Push-Faktor ist zwar erkennbar, seine Auswirkung aber überhaupt noch nicht abzuschätzen: die Veränderung durch den Klimawandel, etwa eine Versteppung in den Entwicklungsländern. Ebenso wenig abschätzbar sind die Folgen politischer Konflikte für Wanderungsbewegungen.

Dies sind nur einige der Fakten, die in der Studie diskutiert werden.

„The Future of International Migration to OECD Countries“, die nur auf Englisch erschienen ist, kann über den Buchhandel bestellt werden. ISBN: 9789264044494, 281 Seiten, Preis: 45 Euro.
Eine Zusammenfassung (auf Englisch) zum herunterladen

Eine „read-only-version“ (die nicht ausgedruckt werden kann) steht im Internet unter:
http://browse.oecdbookshop.org/oecd/pdfs/browseit/0309061E.PDF


 

 

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