Gleichbehandlung als Grundsatz: Internationaler Gewerkschaftsbund zu Wanderarbeitskräften
Rund 200 Millionen Menschen arbeiten weltweit außerhalb der Grenzen ihres Herkunftslandes, knapp die Hälfte davon sind Frauen.
Diese Menschen tragen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Gastland bei – so die Resolution. Das sollte anerkannt werden und sich in ihrer Behandlung niederschlagen: „Wanderarbeitskräfte, ungeachtet ihrer Rechtsstellung, müssen im Arbeitsrecht wie einheimische Beschäftigte behandelt werden und ihre grundlegenden Rechte bei der Arbeit wahrnehmen können.“
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Vielfach werden Wanderarbeitskräfte ausgebeutet, erhalten weniger Lohn als ihnen zusteht oder Gesundheitsschutzregelungen werden umgangen. Der IGB beklagt deshalb die weit verbreitete Ausnutzung und Ausbeutung von Wanderarbeitern durch Arbeitgeber und Arbeitsvermittler und die Unfähigkeit vieler Regierungen Wanderarbeiter zu schützen. Gleichzeitig verurteilt der IGB Zwangsarbeit und Menschenhandel als moderne Sklaverei.
Der IGB fühlt sich deshalb der gewerkschaftlichen Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit, der Gleichbehandlung und der Gleichberechtigung der Geschlechter in Bezug auf alle Wanderarbeiter verpflichtet – unabhängig von ihrem legalen Status.
In Bezug auf entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – etwa im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit in der EU – fordert der IGB, dass für sie die Gesetze und Tarifverträge des Gastlandes gelten müssen.
Im Aktionsprogramm, das sich aus der Resolution ergibt, fordert der Kongress den IGB, die regionalen Gewerkschaftsbünde und global agierende Gewerkschaftszusammenschlüsse zur Zusammenarbeit auf, um konkrete Ziele umzusetzen. Dazu zählt zunächst, dafür zu sorgen, dass Rentenansprüche und andere Sozialleistungen übertragbar sind. Geregelt werden muss das in bilateralen oder regionalen staatlichen Vereinbarungen.
Ein anderes Ziel ist es, „Maßnahmen der Gewerkschaften in den Aufnahmeländern zu fördern, um Strukturen und Dienstleistungszentren für Wanderarbeitskräfte einzurichten und sie gewerkschaftlich zu organisieren, auch im Falle irregulärer Migrantinnen und Migranten“.
Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) ist die wichtigste internationale Gewerkschaftsorganisation. Er hat 312 Mitgliedsorganisationen in 156 Ländern und Hoheitsgebieten und vertritt insgesamt 176 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Der IGB wurde im November 2006 in Wien gegründet und setzt sich zusammen aus den früheren Mitgliedsorganisationen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) und des Weltverbandes der Arbeitnehmer (WVA) sowie aus Gewerkschaftsorganisationen, die zuvor keinem Weltverband angeschlossen waren. Präsident des IGB ist derzeit der deutsche DGB Vorsitzende Michael Sommer.
