Neues Recht

Im April wurde der rechtliche Rahmen für Leiharbeit neu festgelegt. Wird jetzt alles besser?

Was die Branche wirklich benötigt, diskutieren Betriebsräte auf der Betriebsrätekonferenz im September: Mehr 


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Formell. Non-formal. Anders.

Ein wenig in der Freizeit am Auto rumgeschraubt und schon ausgebildeter KFZ-Mechatroniker_in? So einfach ist es nicht. Doch es gibt Wege informelle Qualifikationen anerkennen zu lassen.

Welche? Darüber diskutieren wir auf unserer Tagung

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Wendepunkt

Nächstes Jahr wird zum ersten Mal ein umfassendes, globales Abkommen über die Migration entwickelt – der Global Compact on Migration der UN.

Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, erläutert in seinem Kommentar im Forum Migration, warum das zu einem Wendepunkt für die Zukunft der Migration werden kann.

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Gnadenlos

In der EU wird das sogenannte Mobilitätspaket verhandelt. Die Stärkung des Sozialen  werde „gnadenlos der Liberalisierung des Binnenmarktes untergeordnet“, sagte DGB Vorstandsmitglied Stefan Körzell.

Was dahinter steckt? Hier mehr

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Einstellungssache

Sei können den Weg eines Kindes massiv beeinflussen: Lehrerinnen und Lehrer. Eine neue Studie brachte nun Überraschendes zu ihren Einstellungen zu Migrantinnen und Migranten zu Tage.

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Diversity von unten: Kommentar von Hasan Allak

01.04.2011

Kommentar von:

Hasan Allak
Betriebsrat bei Continental Hannover

Vorher ist das alles ja immer etwas aufregend – aber jetzt sind die Betriebsratswahlen vorbei und wir sind eigentlich rundum zufrieden. Es gab nur eine IG BCE-Liste, die Wahlbeteiligung lag bei annähernd 60 Prozent. Der Betriebsrat hat 19 Mitglieder, drei davon haben einen Migrationshintergrund. Das ist anteilmäßig sogar noch etwas mehr als unter den Beschäftigten. Von rund 2.500 Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen haben weniger als 300 einen Migrationshintergrund.

Natürlich sind alle Mitglieder des Betriebsrats für alle Kolleginnen und Kollegen da. Dennoch ist es wichtig, dass wir drei in den Betriebsrat gewählt wurden. Wer selbst einen Migrationshintergrund hat, hat einen anderen Blick und andere gesellschaftliche Erfahrungen und kann sich so sehr viel besser in die Situation von anderen Migrantinnen und Migranten und in ihre Prob­leme und Bedürfnisse hineinversetzen. Gleichzeitig können wir die anderen Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat für Fragen sensibilisieren, die in einer interkulturellen Belegschaft auftauchen.

Dass wir schon ein Augenmerk auf die Belange der Gruppe der Zuwanderer haben müssen, zeigt sich zumeist im betrieblichen Alltag. So gab es im letzten Jahr eine Restrukturierung im Unternehmen, die mit Personalabbau verbunden war. Es gab betriebsbedingte Kündigungen. Betroffen waren vor allem Arbeitsplätze in der Produktion, auf denen Un- und Angelernte beschäftigt waren. Und es ist in der Regel so, dass da viele Migranten arbeiten. Das war auch bei uns so. Ergebnis: Von den Kolleginnen und Kollegen, denen gekündigt wurde, hatten fast 50 Prozent einen Migrationshintergrund.

Die Betroffenen wechselten in eine Qualifizierungsgesellschaft. Und da wurde dann klar, dass sie wegen sprachlicher Defizite große Schwierigkeiten haben, wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen.

Mitglieder des Betriebsrats, die dem Beirat der Qualifizierungsgesellschaft angehören, haben darauf gedrungen, dass da schnell etwas passiert. Solange sie noch im Betrieb sind, müssen die Sprachkurse intensiviert werden. Das wurde dann mit dem Personalchef abgesprochen und erste Maßnahmen sind bereits angelaufen. Wie das endgültig organisiert wird, muss noch im Einzelnen abgestimmt werden Es könnte so sein, dass Conti die Kosten für die Sprachkurse übernimmt und die Kurse zu einem Teil in der Arbeitszeit zum anderen in der Freizeit stattfinden.

Daneben werden wir die Sprachkurse generell ausweiten. Betriebsrat und Personalchef sind einer Meinung, dass wir präventiv mehr machen müssen. Es darf uns nicht noch einmal passieren, dass Kolleginnen und Kollegen, die Continental verlassen, woanders auf dem Arbeitsmarkt keinen Fuß fassen können, weil sie Sprachprobleme haben.

Das ist von unserer Seite durchaus eine Zielgruppenarbeit für Beschäftigte mit Migrationshintergrund. Bei der Weiterbildung gibt es ansonsten keine Qualifizierungsmaßnahmen, die allein auf Migrantinnen und Migranten ausgerichtet sind. Das bedeutet nicht, dass wir hier nicht aktiv werden können.

Wir haben Weiterbildungsmaßnahmen, die vom Unternehmen angeboten werden und Angebote über die Gewerkschaft. Das alles kann im Rahmen des Bildungsurlaubs wahrgenommen werden. Die Angebote richten sich an alle Beschäftigten. Nun könnte man sagen: Da jeder die Angebote nutzen kann, ist eine Chancengleichheit gegeben. Nun wissen wir aber aus sämtlichen Statistiken zur Weiterbildung, dass zum Beispiel Geringqualifizierte und Beschäftigte mit Migrationshintergrund sehr viel weniger an Weiterbildung teilnehmen als andere Gruppen – beides fällt bekanntlich auch oft zusammen. Deshalb werben wir unter unseren Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund dafür, die Angebote zu nutzen.

Das fällt bei ihnen auch meist auf fruchtbaren Boden. Diejenigen, die es geschafft haben, bei Conti einen Job in der Produktion zu bekommen, möchten sich dann auch weiterentwickeln. An den Betriebsrat, insbesondere an die Mitglieder mit Migrationshintergrund, richtet sich dann die Erwartung, dass sie dabei unterstützt werden. Das ist schon auch eine Zielsetzung für uns, sie so zu unterstützen, dass sie beruflich vorwärtskommen.

Dieses Ziel steht auch in einem anderen Zusammenhang. Continental ist ein global agierendes Unternehmen. Und hier am Standort ist die zentrale Forschung und Entwicklung für den gesamten Reifenbereich angesiedelt. In dem Bereich arbeiten sehr viele Hochqualifizierte mit Migrationshintergrund, aus China, Japan, Malaysia, Türkei. Das Thema Diversity spielt deshalb eine sehr große Rolle. Wir haben auch die Charta der Vielfalt unterschrieben. Im Bericht des Arbeitsdirektors an den Gesamtbetriebsrat werden wir informiert, was auf diesem Gebiet gerade geschieht. Da geht es dann zumeist um Hochqualifizierte. Wir als Betriebsrat machen sozusagen Diversity für die anderen Qualifikationsebenen.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration April 2011" entnommen.