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Ungleichheiten beim Zugang zu einer beruflichen Ausbildung: Entwicklungen und mangelnde Perspektiven für junge Menschen mit Migrationshintergrund

14.07.2006
Mona Granato

In einer Reihe von Veröffentlichungen wird die schwierige Lage junger Menschen mit Migrationshintergrund beim Zugang zu einer beruflichen Erstausbildung thematisiert. Zum Teil werden auch Gründe und Hintergründe hierfür erläutert.

Erstellt im Rahmen von: Koordinationsstelle zur Förderung der beruflichen Bildung der italienischen Migrantinnen und Migranten in NRW

Was jedoch weitgehend fehlt – und dies wird durch aktuelle politische Debatten erneut bestätigt –, ist eine differenzierte Wahrnehmung junger Menschen mit Migrationshintergrund und ihres jeweils sehr unterschiedlichen Migrationshintergrunds, ihrer unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen und Lebenslagen. Dies führt meist zu einer einseitigen Wahrnehmung. Übersehen werden dabei oftmals die Potenziale junger Frauen und Männer mit Migrationshintergrund.

Der folgende Beitrag legt daher ausgewählte Befunde zu den Potenzialen junger Menschen mit Migrationshintergrund dar (Abschnitt 1), beschreibt die Entwicklung der Ausbildungsquote und analysiert die Erfolgsaussichten von Bewerbern mit Migrationshintergrund (Abschnitt 2 und 3). Vor diesem Hintergrund werden abschließend ihre Aussichten auf eine abgeschlossene Berufsausbildung thematisiert und unterschiedliche Erklärungsansätze für die geringeren Chancen junger Menschen mit Migrationshintergrund beim Zugang zu einer beruflichen Erstausbildung diskutiert (Abschnitt 4 und 5).

1. Potenziale junger Menschen mit Migrationshintergrund

Die Potenziale junger Menschen mit Migrationshintergrund sind ein lange vernachlässigtes Forschungsfeld (gewesen). Dennoch liegen hierfür erste wissenschaftlich fundierte Ergebnisse für den Bereich der beruflichen Bildung vor. Dies gilt partiell auch für die Potenziale, die junge Menschen für eine berufliche Erstausbildung mitbringen wie für die Ressourcen, die sie im Übergang von der Schule in eine berufliche Erstausbildung benötigen (vgl. hierzu Hinweise in Abschnitt 4). Auch interkulturelle Kompetenzen junger Menschen mit Migrationshintergrund – als Teil ihrer Potenziale und Kompetenzen – standen bislang nur unzureichend im Zentrum sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. In einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung sind interkulturelle Kompetenzen junger Fachkräfte mit Migrationshintergrund in ausgewählten Ausbildungsberufen untersucht worden. (1) Ziel der qualitativen Untersuchung ist es, aufzuzeigen, wie junge Fachkräfte mit Migrationshintergrund zusätzlich zu ihren Fachkenntnissen interkulturelle Kompetenzen im Berufsalltag einsetzen (Settelmeyer u. a. 2006).

Zentrale Ergebnisse sind z. B., dass die Erstsprache junger Menschen mit Migrationshintergrund sowohl in internationalen Berufsfeldern, z. B. bei Kaufleuten im Außenhandel, aber auch in Arztpraxen oder im Einzelhandel vorteilhaft verwendbar ist. Sprachkenntnisse sowie Kenntnisse des kulturellen Hintergrunds unterstützen die jungen Fachkräfte darin, sich mit ausländischen Kunden oder Patienten nicht nur sprachlich problemlos zu verständigen. Die jungen Fachkräfte verstehen auch das, was Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten gleicher Herkunft »zwischen den Zeilen« sagen möchten (Settelmeyer u. a. 2006). So gelingt es jungen Fachkräften mit Migrationshintergrund in verschiedenen Gesprächssituationen – von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Geschäftsabschluss oder beim Schlichten von Konflikten – Situationen adäquat einzuschätzen und Vertrauen herzustellen (Settelmeyer u. a. 2006).

Dennoch: obwohl der Nutzen für Betriebe klar erkennbar ist, wissen Vorgesetzte diese Kompetenzen nicht immer zu schätzen. Noch immer wird der Migrationshintergrund weniger als Vorteil, sondern vielmehr als Defizit gesehen. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Betroffenen selbst. Auch sie sind sich ihres »Plus« nicht ausreichend bewusst: interkulturelle Kompetenzen werden bei Bewerbungen nur von einem Teil von ihnen benannt (Settelmeyer u. a. 2006).

Dies bedeutet: der Weg zu einer breiten Nutzung (nicht nur) interkultureller Fähigkeiten junger Fachkräfte mit Migrationshintergrund in Deutschland ist noch weit. Zurzeit ist es eher umgekehrt: Junge Fachkräfte mit Migrationshintergrund haben größere Schwierigkeiten beim Zugang zu einer ausbildungsadäquaten Beschäftigung (vgl. Seibert/Solga 2005), Schulabgänger mit Migrationshintergrund haben größere Schwierigkeiten beim Zugang zu einer beruflichen Ausbildung als Einheimische.

2. Entwicklung der Ausbildungsquote 1995–2004

Die Ausbildungsbeteiligung ausländischer Jugendlicher sinkt seit zehn Jahren kontinuierlich. Die Ausbildungsbeteiligung wird anhand des Indikators Ausbildungsquote analysiert. Die Berechnung der Ausbildungsbeteiligungsquote der Jugendlichen, also des Anteils der Wohnbevölkerung im ausbildungsrelevanten Alter, der einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat, beruht auf der Berufsbildungsstatistik. Die Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes (2) erfasst jedoch lediglich die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Dadurch wird der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, zu denen auch eingebürgerte Jugendliche mit deutschem Pass und junge Aussiedler zählen, in der amtlichen Statistik erheblich unterschätzt. Da sich die Ausbildungsbeteiligungsquote aus dem Anteil der ausländischen Auszubildenden an allen ausländischen Jugendlichen (Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis unter 21 Jahren) errechnet, gelingt es mit ihrer Hilfe immerhin, demografische Effekte und veränderte Einbürgerungsquoten zu berücksichtigen (vgl. hierzu ausführlich Uhly 2006; Uhly/Granato 2006).

2004 haben 72.100 Auszubildende in Deutschland einen ausländischen Pass. Seit Mitte der 90er Jahre sind die Aussichten junger Menschen mit ausländischem Pass auf eine berufliche Ausbildung rückläufig. Liegt der Anteil der ausländischen Auszubildenden an allen ausländischen Jugendlichen der Altersgruppe schon 1994 mit 34 % außerordentlich niedrig, so sinkt er bis 2004 auf 25 %. Dies bedeutet einen Rückgang um 24 % (Uhly/Granato 2006).

Die Ausbildungsbeteiligungsquote deutscher Jugendlicher ist in den vergangenen zehn Jahren gleichfalls zurückgegangen, allerdings nur um knapp 11 % und sie ist mit 59% mehr als doppelt so hoch als die ausländischer Jugendlicher (vgl. Übersicht 1). Trotz besserer Schulabschlüsse im Vergleich zu jungen Männern ist die Ausbildungsquote junger Frauen ausländischer Nationalität noch niedriger (w: 25%, m: 30%), wenngleich sie bei den jungen Männern im vergangenen Jahrzehnt erheblich stärker gesunken ist (Uhly/Granato 2006).

 

Chart/ Diagramm:
Ausbildungsquote nach Staatsangehörigkeit 1993 - 2004 in Deutschland - in Prozent
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3. Erfolgsaussichten von Bewerbern mit und ohne Migrationshintergrund

Die Übergänge zwischen Schule, Ausbildung und Beruf sind heute insbesondere vor dem Hintergrund des Mangels an Ausbildungsplätzen länger sowie von ihrem Ausgang her offen (vgl. Solga 2005). So ist beispielsweise der Anteil der Schulabgänger, die in einen schulischen Ausbildungsgang (mit Berufsabschluss) oder in ein Studium einmündet, erheblich gestiegen (Ulrich 2004). Gleichzeitig ist in den letzten Jahren die Zahl der Schulabgänger, die in eine berufliche Grundbildung einmünden, die nicht zu einem Berufsabschluss führt von 35 % (1992) auf 58 % (2004) deutlich gestiegen (Ulrich 2004). Der Anteil derjenigen, die in eine duale Ausbildung einmünden, ist hingegen deutlich gesunken (Ulrich 2004). Ungleichheiten im Ausbildungssektor haben sich damit eher vertieft.

2004 meldeten sich 149.000 junge Menschen mit Migrationshintergrund bei den Arbeitsagenturen als Lehrstellenbewerber. Nach den Ergebnissen der repräsentativen BA/BIBB-Bewerber-Untersuchung 2004 haben 20 % aller bei der Bundesagentur gemeldeten Lehrstellenbewerber einen Migrationshintergrund: 7% haben eine ausländische Staatsbürgerschaft, 10 % sind Aussiedler, 3 % haben einen anderen Migrationshintergrund (Ulrich/Granato 2006).

Die schwierige Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt trifft insbesondere Bewerber mit Migrationshintergrund. Von den 149.000 Lehrstellensuchenden mit Migrationshintergrund beginnen 2004 nur 46.500 eine betriebliche duale Ausbildung. Von den Bewerbern ohne Migrationshintergrund finden 40 % einen betrieblichen Ausbildungsplatz, von denjenigen mit Migrationshintergrund nur 29 % (BA/BIBB-Befragung 2004). Das bedeutet: weniger als ein Drittel der Bewerber mit Migrationshintergrund mündet in eine duale Berufsausbildung ein und deutlich weniger als die Hälfte derjenigen ohne Migrationshintergrund.

Entgegen aller intensiven bildungspolitischen Bemühungen, jedem Schulabgänger, wenn schon keinen Ausbildungsplatz, zumindest eine mehr oder minder sinnvolle Alternative anzubieten, steigt 2004 die Zahl der unvermittelten Bewerber auf 44.600 – der Anteil derjenigen mit Migrationshintergrund ist überproportional hoch (Ulrich 2006). Während 20 % aller bei der Bundesagentur gemeldeten Bewerber einen Migrationshintergrund haben, sind sie bei den Lehrstellenbewerbern, die in eine Ausbildung einmünden mit 14 % stark unterproportional vertreten.

Aufgrund der schwierigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt in den letzen Jahren ist auch der Anteil der Schulabgänger, die sich wiederholt auf eine Ausbildungsstelle bewerben, erheblich angestiegen (Eberhard u. a. 2006). Bewerber mit Migrationshintergrund sind bei den sog. »Altbewerbern« deutlich überrepräsentiert: 40 % der Bewerber ohne Migrationshintergrund haben sich bereits im Jahr oder in den Jahren zuvor auf eine Lehrstelle beworben, 50 % sind es bei denjenigen mit Migrationshintergrund, d. h. die Hälfte der Bewerber mit Migrationshintergrund hat bereits desillusionierende und entmutigende Erfahrungen auf der Suche nach einer Lehrstelle gemacht.

Bewerber, die keinen Ausbildungsplatz finden, verbleiben in einer beruflichen Grundbildung, in einem Praktikum, in einer Arbeit oder in einem Job, gehen weiter zur Schule, beginnen ein Studium oder sind arbeitslos (Eberhard u. a. 2005). Zunehmend typisch, nicht nur für die Übergangsprozesse junger Menschen mit Migrationshintergrund, ist die Einmündung in Bildungsgänge, die lediglich eine berufliche Grundbildung vermitteln (Solga 2005; Ulrich 2004; Eberhard u. a. 2006).

Jeder vierte Bewerber mit Migrationshintergrund mündet in Bildungsgänge des »Chancenverbesserungssystems«, d. h. in berufliche oder schulische Grundbildung bzw. in ein Praktikum ein. (3) Im Vergleich zu Lehrstellensuchenden ohne Migrationshintergrund sind sie hier überproportional vertreten (26% zu 22 %).

Dabei münden sie zum Teil zwar auch in solche Bildungsgänge ein, die es ihnen ermöglichen, ihre schulischen Voraussetzungen – sei es fachlich, sei es formal oder beides – zu verbessern. Doch der wiederholte Besuch von Grundbildungslehrgängen trägt eher zur Verfestigung des Übergangsstatus bei, ohne dadurch ihre Aussicht auf eine abschlussbezogene berufliche Qualifizierung deutlich zu erhöhen. Denn auch darauf weisen die Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung hin: Junge Menschen mit Migrationshintergrund haben deutlich häufiger als solche ohne Migrationshintergrund bereits mehrere Grundbildungslehrgänge besucht und abgeschlossen (Eberhard u. a. 2006).

Darüber hinaus zeigt sich die schwierige Situation an der Statuspassage Schule – Ausbildung auch darin, dass 21 % der Bewerber mit Migrationshintergrund 2004 noch nicht einmal in eine Grundbildung einmünden, sondern arbeitslos sind oder jobben – häufiger als diejenigen ohne Migrationshintergrund (15%) (Ulrich/Granato 2006).

4. Ungleiche Chancen junger Menschen mit Migrationshintergrund beim Zugang zu einer beruflichen Ausbildung – ausgewählte Erklärungsansätze

Die Frage nach den Ursachen für die geringeren Bildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird von einer Reihe von Erklärungsansätzen sehr unterschiedlich beantwortet. Hierbei gibt es eine große Bandbreite an möglichen Erklärungen. Diese betreffen zudem unterschiedliche Erklärungsebenen.

Anhand aktueller empirischer Resultate werden im folgenden mehrere Erklärungsansätze exemplarisch diskutiert, die in der Fachöffentlichkeit immer wieder thematisiert werden.

Bildungsplanung und Bewerbungsstrategien an der ersten Schwelle

Forschungsarbeiten zur Bildungsplanung junger Menschen mit Migrationshintergrund, zu ihrem Interesse an und ihrem Engagement für eine beruflichen Ausbildung sowie zu ihren persönlichen oder familiären Einstellungen gegenüber einer beruflichen Zukunftsplanung u. a. greifen noch immer häufig auf Erklärungsansätze zurück, die auf kulturell bedingte Einstellungen und Verhaltensmuster zielen und damit auf die individuelle Ebene zur Erklärung der ungleichen Zugangschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund zu einer beruflichen Ausbildung. Hierbei spielen die Orientierungen und der kulturelle Hintergrund – oder vermeintliche Einflüsse des kulturellen Hintergrunds – eine zentrale Rolle. Nicht selten werden diese Orientierungen junger Menschen mit Migrationshintergrund bzw. ihrer Eltern noch immer als hinderlich für ihre Bildungschancen bewertet. Wenngleich solche Deutungsmuster seit Mitte der 80er Jahre kritisiert, von weiterführenden Erklärungsansätzen abgelöst und seither beständig durch wissenschaftliche Untersuchungen empirisch widerlegt wurden und werden (vgl. z. B. Hinweise in Granato/ Schittenhelm 2003; Schittenhelm/Granato 2004), finden sie sich noch immer in fachöffentlichen Debatten wieder.

Demgegenüber weist beispielsweise die BA/BIBB-Bewerberbefragung 2004 ein hohes Engagement und Flexibilität junger Menschen mit Migrationshintergund bei der Suche nach einer Lehrstelle nach. Dies zeigt sich insbesondere in ihrem Durchhaltevermögen, ihrem starken Interesse trotz einem überproportionalen Anteil an Altbewerbern wie an ihren Bewerbungsstrategien. In zentralen Punkten – wie Bewerbungen und Internetnutzung – liegen sie mit Bewerbern ohne Migrationshintergrund gleichauf (Ulrich/Granato 2006; Eberhard u. a. 2006; Granato 2006). Eines wird jedoch deutlich: Bewerber mit Migrationshintergrund wünschen sich häufiger als einheimische Jugendliche weitere Unterstützung und Beratung im Übergang Schule – Ausbildung und sie erhalten wesentlich seltener als einheimische Bewerber die Chance auf ein Vorstellungsgespräch (Ulrich/Granato 2006).

Die Gründe für die geringen Ausbildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund sind auch nicht in restriktiven persönlichen oder familiären Einstellungen gegenüber einer beruflichen Zukunftsplanung zu finden – wie einschlägige Studien seit Jahren belegen (vgl. z. B. Schittenhelm 2005; Boos-Nünning/Karakasoglu 2004). Eine bundesweite Erhebung unter Schulabsolventen zeigt zudem, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund in etwa gleichem Ausmaß eine betriebliche Berufsausbildung anstreben wie solche ohne Migrationshintergrund (Friedrich 2006).

Schulische Voraussetzungen

Fehlende oder gering bewertete Schulabschlüsse (kein oder nur ein Hauptschulabschluss), unzureichende schulische Voraussetzungen sowie mangelhafte oder unzureichende deutsche Sprachkenntnisse werden häufig als Grund für die Schwierigkeiten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Übergang in eine berufliche Ausbildung verantwortlich gemacht. (4)

Demgegenüber belegen die Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2004, dass sich gute schulische Voraussetzungen, wie z. B. ein weiterführender Schulabschluss bzw. eine gute Mathematik- oder Deutschnote im Abschlusszeugnis bei einheimischen wie eingewanderten Bewerbern als förderlich auswirken – jedoch in sehr unterschiedlichem Maße. Demnach bestehen unterschiedliche Chancen auch dann, wenn Bewerber mit Migrationshintergrund über den gleichen Schulabschluss wie einheimische Mitbewerber verfügen. Mit besserer schulischer Vorbildung steigen zudem die Aussichten von Bewerbern ohne Migrationshintergrund stärker als die von Bewerbern mit Migrationshintergrund. Dies bedeutet: der Migrationshintergrund an sich beeinflusst die Erfolgsaussichten von Bewerbern negativ (vgl. Ulrich/Granato 2006). D. h. mit den schulischen Voraussetzungen können die geringeren Zugangschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu einer betrieblichen Ausbildung nicht erklärt werden. Haeberlein u. a. (2005) gelangen in ihrer Studie über die Zugangschancen zu einer betrieblichen Lehre in der Schweiz zu ähnlichen Resultaten.

In diesem Zusammenhang werden zudem die Ergebnisse von PISA I und PISA II, die auf die Verantwortung des Schulsystems in Deutschland bei der Produktion von ungleichen Fähigkeiten und mangelnder Chancengleichheit in Abhängigkeit des sozioökonomischen Status der Eltern hinweisen, sowie wissenschaftliche Untersuchungen, die institutionelle Faktoren für die mangelnde Chancengleichheit von Kindern und Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem aufzeigen und belegen, nicht hinreichend wahrgenommen. (5)

Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt

Zur Erklärung ungleicher Bildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund werden mehr als in der Vergangenheit auch Ansätze herangezogen, die sich vorrangig auf die sozioökonomische Dimension stützen und damit auf die strukturelle Ebene abzielen. D. h. es geht um den Versuch, ungleiche Chancen mit sozioökonomischen Faktoren oder institutionellen Hintergründen u. Ä. zu erklären. Sozioökonomische Faktoren werden zum Teil losgelöst, zum Teil verknüpft mit anderen erklärenden Ansätzen verwendet. Sie können (beispielsweise) mit institutionellen Erklärungsansätzen verbunden sein, welche die Ursachen in den Bildungsinstitutionen – aber auch in vor- und nachgelagerten Beratungsund anderen Chancenverteilungsinstitutionen – suchen. Dabei stehen Fragen zu den Mechanismen – sei es direkter oder indirekter – institutioneller Ausgrenzung und Diskriminierung im Vordergrund des Erklärungsinteresses. Gleichzeitig existieren – gerade zur Erklärung der geringen Chancen beim Zugang zum Ausbildungsstellenmarkt – eine Reihe arbeitsmarkttheoretischer Erklärungsansätze, die für diese Fragestellung zunehmend nutzbar gemacht werden.

Entsprechend der jeweiligen Fragestellung werden unterschiedliche sozioökonomische Faktoren herangezogen. In diesem Zusammenhang geht es z. B. auch um die Frage, welche Bedeutung die aktuellen Rahmenbedingungen für die Zugangschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund haben. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt und für berufsstrukturelle Entwicklungen bei den Ausbildungsberufen.

So konnte gezeigt werden, dass bis Mitte der 90er Jahre die Ausbildungsquote ausländischer Jugendlicher leicht anstieg und seither stark sinkt. Bis Mitte der 90er Jahre existierte noch ein Überschussangebot an Ausbildungsstellen (Uhly/Granato 2006; vgl. auch Ulrich/Granato 2006; Ulrich 2006). D. h. in Zeiten von Ausbildungsstellenknappheit ist ein erheblicher Verdrängungsprozess von Jugendlichen ausländischer Nationalität feststellbar. Es ist davon auszugehen, dass die globale Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt einen Einfluss auf die Entwicklung der Ausbildungsquote ausländischer Jugendlicher hat. Diese lässt sich jedoch nicht abschließend erklären, da auch bei deutschen Jugendlichen die Ausbildungsquote in diesem Zeitraum – zumindest leicht – sinkt (vgl. Abschnitt 2).

Dieser Verdrängungsprozess wird auch an der Entwicklung des Anteils ausländischer Jugendlicher in bestimmten Segmenten des Ausbildungsstellenmarkts deutlich. Bis Mitte der 90er Jahre mündeten Jugendliche ausländischer Nationalität verstärkt in solche Segmente ein, die sich für junge Deutsche im Hinblick auf Kriterien wie Übernahmemöglichkeiten, Arbeitsmarktchancen, Bezahlung, Arbeitsbedingungen u. Ä. als weniger attraktiv darstellten (vgl.Werner/Granato 1999). In Zeiten der Lehrstellenknappheit werden sie offensichtlich von deutschen Mitbewerbern verdrängt.

In diese Richtung weist auch die Untersuchung berufsstruktureller Entwicklungen bei den Ausbildungsberufen bzw. -bereichen. Analysiert wurde, ob der Rückgang der Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen ausländischer Nationalität mit berufstrukturellen Veränderungen erklärbar ist: Inwieweit lässt sich der Rückgang der Ausbildungsbeteiligung Jugendlicher ausländischer Nationalität darauf zurückführen, dass sie häufig in solchen Ausbildungsberufen/-bereichen ausgebildet wurden, die im vergangenen Jahrzehnt besonders stark von einem Rückgang an Ausbildungsplätzen geprägt sind?

Während im Handwerk sowie in den freien Berufen im Jahre 1995 der Anteil junger Ausländer noch über dem Durchschnitt lag – wobei in beiden Bereichen der Ausländeranteil immer noch deutlich geringer ausfiel als der Ausländeranteil an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis unter 21 Jahren – ist der Anteil junger Ausländer im Handwerk seither sehr stark rückläufig, ebenso in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und Handel sowie im öffentlichen Dienst (vgl. Übersicht 2).

Die Rückgänge sind im Vergleich zur Entwicklung des Ausländeranteils in der gleichaltrigen Wohnbevölkerung (– 28 %) deutlich überproportional. Im Bereich der freien Berufe ist der Ausländeranteil in geringerem Ausmaß gesunken.

 

Chart/ Diagramm:
Veränderung des Anteils ausländischer Auszubildender in ausgewählten Ausbildungsbereichen im Bundesgebiet-West 1995-2004
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Auch in den meisten Berufsgruppen sinkt der Anteil junger Ausländer überproportional (im Vergleich zur jugendlichen Wohnbevölkerung). In Berufsgruppen mit unterproportional sinkenden Ausländeranteilen (bzw. steigenden) war bereits 1995 ihr Anteil sehr gering und/oder ist die Anzahl ausländischer Auszubildender gering (Uhly/Granato 2006). Ausnahmen hierzu sind allein die Gesundheitsberufe, die in allen Jahren vergleichsweise hohe Ausländeranteile und nur einen moderaten Rückgang aufweisen.

Dies gilt auch für die zehn Berufe, in die junge Menschen mit ausländischem Pass besonders häufig einmünden: in nahezu allen diesen Ausbildungsberufen zeigt sich ein Rückgang des Ausländeranteils, der über den Rückgang der Wohnbevölkerung (zum Teil weit) hinausgeht (Uhly/Granato 2006).

Insgesamt zeigt sich, dass der Ausländeranteil in nahezu allen Berufen bzw. Berufsgruppen zwischen 1995 und 2004 stärker abgenommen hat, als dies der Entwicklung der Wohnbevölkerung entspricht. Der Rückgang der Ausbildungsbeteiligungsquote kann somit nicht mit einem Strukturwandel bzw. mit der besonderen Betroffenheit von ausländertypischen Berufen durch den Ausbildungsstellenabbau erklärt werden.

Weitere Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2004 zeigen zudem deutlich, dass andere sozioökonomische Faktoren wie die Arbeitsmarktbedingungen am Wohnort auf die Aussichten von Lehrstellenbewerbern einen signifikanten Einfluss haben (Eberhard u. a. 2006; Ulrich/Granato 2006). Berücksichtigt man dazu den Migrationsintergrund als zusätzliche intervenierende Variable, so behält auch diese ihre Bedeutung – nur liegen die Aussichten von Bewerbern mit Migrationshintergrund in schwierigen Arbeitsmarktregionen deutlich unter den Zugangsmöglichkeiten der Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund (vgl. Ulrich/Granato 2006).

Diskussion der Ergebnisse

Auf der Grundlage der BA/BIBB-Untersuchung 2004 lassen sich zentrale Faktoren aufzeigen, die den Erfolg von Bewerbern und Bewerberinnen beeinflussen. Nach den Ergebnissen einer logistischen Regressionsanalyse haben ein qualifizierter Schulabschluss (Mittlere Reife bis Fachhochschulreife) sowie eine gute Mathematik- bzw. Deutschnote positive Effekte. Ein negativer Einfluss geht dementsprechend von einem niedrigen Hauptschulabschluss, einer schwachen Mathematik- bzw. Deutschnote, aber auch von einem höheren Lebensalter, von chronischer Erfolglosigkeit (»Altbewerber«) sowie von einer ungünstigen Arbeitsmarktsituation am Wohnort aus (Ulrich/Granato 2006; Eberhard u. a. 2006).

Diese Ergebnisse deuten für sich genommen erst einmal darauf hin, dass hinter den Entscheidungen von Unternehmen, so bei den Noten in den Schulzeugnissen bzw. beim Schulabschluss, »meritokratische« Prinzipien stehen bzw. Kriterien, die sich aus der regionalen Arbeitsmarktlage erklären lassen. Dies steht in Übereinstimmung mit den Annahmen humankapitaltheoretischer Ansätze wie der rational-choice-Theorie. (6) Diese gehen davon aus, dass hinter den Entscheidungen von Personalverantwortlichen rational nachvollziehbare, ausbildungsrelevante Merkmale stehen, die das Arbeitspotenzial des jeweiligen Bewerbers beschreiben. Hierzu zählen u. a. die formalen schulischen Voraussetzungen und Bewerbungsunterlagen, Einstellungsverfahren, aber auch erste Erfahrungen aus dem Bereich der vorberuflichen Sozialisation wie z. B. Betriebspraktika.

Die weiterführende Analyse ergibt jedoch, dass die Chancen von Bewerbern mit und ohne Migrationshintergrund, die vergleichbare Schulabschlüsse bzw. dieselbe Schulnote in Mathematik oder Deutsch aufweisen, sehr unterschiedlich sind. Diese Resultate werden durch die logistische Regression bestätigt: Der Migrationshintergrund beeinflusst die Erfolgsaussichten von Bewerbern auch unabhängig von den Schulabschlüssen und Schulnoten – und zwar negativ. D. h. der Migrationshintergrund ist für sich allein genommen ein Merkmal, das mit größeren Schwierigkeiten beim Zugang zu einer dualen Ausbildung verbunden ist.

Diese Befunde weisen deutlich darauf hin, dass bisherige Annahmen, Einmündungsprozesse in den Ausbildungsstellenmarkt seien von den genannten rational nachvollziehbaren Kriterien geprägt, zu revidieren sind. Umgekehrt ist davon auszugehen, dass beim Zugang zu einer dualen Ausbildung auch sog. »verdeckte« Kriterien eine Rolle spielen könnten, die dem »meritokratischen Prinzip«, d. h. der Bewertung ausschließlich nach den o. g. Leistungskriterien, widersprechen. Es ist daher davon auszugehen, dass beim Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung auch selektive Auswahlkriterien eine Rolle spielen.

An den selektiven Zugangschancen zu verschiedenen Arbeitsmarktsegmenten setzen segmentationstheoretische Ansätze an. (7) Sie gehen davon aus, dass Beschäftigungs- bzw. Ausbildungschancen systematisch differieren und heben die Bedeutung von Arbeitgebern und Personalverantwortlichen für Personalentscheidungen bei Einstellungen hervor. Eine zentrale Frage hierbei ist, inwiefern sich aus ihrer Perspektive Investitionen – wie z. B. eine berufliche Erstausbildung – in einen Bewerber lohnen. Letztlich geben bei ihren Entscheidungen nicht tatsächliche Leistungskriterien von Bewerbern den Ausschlag, sondern vielfach bestimmten Gruppen zugeschriebene Merkmale (vgl. Solga 2005).

Dies konnte auch für Bewerber ausländischer Herkunft auf der Suche nach einer Lehrstelle nachgewiesen werden. So kommt Schaub (1991) in seiner Untersuchung der Rekrutierungsstrategien von Betrieben im Hinblick auf die Beschäftigung von Auszubildenden zu dem Ergebnis, dass bei Personalverantwortlichen Haltungen zu finden sind, nach denen Jugendliche ausländischer Nationalität ein höheres Risiko in der Ausbildung bedeuten. Hierbei spielen unterschiedliche Erwägungen eine Rolle. Dazu zählen die von Betrieben vermutete Wahrscheinlichkeit des Abbruchs einer Ausbildung aufgrund der angenommenen Rückkehrorientierung junger Menschen mit Migrationshintergrund sowie Befürchtungen im Hinblick auf eine mögliche Überziehung des Urlaubs. Dabei werden Bewerbern mit Migrationshintergrund global verschiedene Eigenschaften zugeschrieben. Dies bedeutet auch, dass die Entscheidungen von Personalverantwortlichen letztlich weniger von Kriterien bestimmt werden, die dem einzelnen Bewerber gerecht werden, als von Merkmalen, die einer ganzen Gruppe von Jugendlichen zugeschrieben werden und wenig mit den individuellen Voraussetzungen eines bestimmten Bewerbers zu tun haben. Diese gruppenspezifischen Zuschreibungen tragen dazu bei, dass ausbildungsrelevante, leistungsbezogene bzw. meritokratische Kriterien nicht berücksichtigt werden. (8)

Dies bedeutet, dass letztlich außerhalb der individuellen Einflusssphäre liegende Faktoren den Zugang zu Qualifikations- und Arbeitsmarktchancen beeinflussen.

Die Untersuchung von Schaub beleuchtet zwar die Situation Anfang der 90er Jahre, neuere Studien zu dieser Thematik stehen aber noch aus. Nicht abschließend beantwortet ist die Frage einer möglichen Diskriminierung junger Menschen mit Migrationshintergrund beim Zugang zu einer dualen Ausbildung – verstanden als eine gruppenspezifische Chancenminderung, die nicht durch ein geringeres Leistungspotenzial erklärt werden kann.

Hier gilt es mit weiteren Forschungsarbeiten anzuknüpfen: Sind es Einstellungen von Personalverantwortlichen, die in Zeiten von Lehrstellenknappheit dazu beitragen, dass Bewerber mit Migrationshintergrund geringere Chancen erhalten, in eine duale Ausbildung einzumünden? Und: welche Bedeutung haben Netzwerkressourcen beim Übergang in eine berufliche Ausbildung?

Benötigt werden Untersuchungen zu betrieblichen Rekrutierungsstrategien und gruppenspezifischen Einstellungen von Personalverantwortlichen gegenüber jungen Menschen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf ihre Einmündungschancen in eine betriebliche Ausbildung.

Bislang zu wenig ausgelotet ist auch die Frage nach der Bedeutung von Netzwerkressourcen zur Erklärung ungleicher Chancen beim Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung (vgl. Beitrag Eder in diesem Band). Es ist davon auszugehen, dass angesichts eines immer enger werdenden Ausbildungsmarkts soziale Beziehungen, die häufig durch Eltern, durch Verwandte und Bekannte geknüpft werden, eine immer größere Bedeutung beim Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung erhalten. D. h. Kinder von Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten werden bevorzugt eingestellt, sofern sie dieselben Leistungsvoraussetzungen wie andere Bewerber erfüllen. Der sozioökonomische Status der Migrantenfamilien ist im Schnitt aber deutlich schlechter; es ist daher davon auszugehen, dass Bewerber mit Migrationshintergrund deutlich seltener auf entsprechende Netzwerkressourcen ihrer Eltern zurückgreifen können.

In diesen Forschungsarbeiten gilt es, sowohl sozioökonomische orientierte Erklärungsansätze für Fragestellungen zur Bedeutung materieller Ressourcen beim Zugang zu einer beruflichen Bildung wie zur institutionellen Diskriminierung im Übergang Schule – Ausbildung zu nutzen und zu vertiefen als auch erweiterte kulturell orientierte Ansätze einzusetzen, welche die Haltungen, Einstellungen und gruppenspezifischen Zuschreibungen von Personalverantwortlichen wie das soziale und kulturelle Kapital junger Menschen mit Migrationshintergrund, z. B. die Bedeutung von Netzwerkressourcen beim Zugang zu einer dualen Ausbildung, untersuchen.

5. Ausblick: Aussichten junger Menschen mit Migrationshintergrund auf eine abgeschlossene Ausbildung

Die Barrieren auf dem Ausbildungsmarkt für Jugendliche mit Migrationshintergrund haben zur Folge, dass sie sehr oft keinen Berufsabschluss erlangen. 2003 leben in Deutschland 1,36 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss; (9) davon haben 492.000 einen ausländischen Pass. Junge Erwachsene ausländischer Nationalität bleiben mit 37 % wesentlich häufiger als junge Deutsche mit 11 % ohne Berufsabschluss. Junge Erwachsene mit ausländischem Pass sind rund dreieinhalb Mal häufiger ohne Ausbildungsabschluss wie die Vergleichsgruppe mit deutschem Pass.

Noch ungünstiger stellt sich die Situation für späteingereiste bzw. nachziehende junge Erwachsene dar; sie bleiben noch häufiger ohne anerkannten Berufsabschluss (Troltsch 2003; Granato 2006 a). Damit haben sie deutlich geringere Chancen auf eine dauerhafte und tragfähige berufliche Integration (vgl. auch Gutschow 2006).

 

Tabelle:
Junge Erwachsene (20 bis 29 Jahre) ohne Berufsabschluss nach Nationalität - Deutschland 2003
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Die (berufliche) Qualifizierung junger Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ist noch weit davon entfernt als integraler Bestandteil des Bildungsbereiches bezeichnet werden zu können. Zurzeit ist es genau umgekehrt: Fehlende Ausbildungsplätze, Verdrängungsprozesse auf dem Ausbildungsstellenmarkt, Rekrutierungsverfahren von Betrieben und Verwaltungen, unzureichende Förderansätze in der Schule u. v. m. tragen zu Ausgrenzungs- und damit zu Desintegrationsprozessen im Hinblick auf die Teilhabe junger Menschen an beruflicher Qualifizierung bei – mit schwerwiegenden Folgen für die Aussichten auf eine berufliche Integration. Nur in wenigen Bereichen werden die Kompetenzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund offensichtlich auch in Zeiten eines Überhangs an Bewerbern und knapper Lehrstellen geschätzt. Dies gilt insbesondere in den Gesundheitsberufen. Es ist anzunehmen, dass sich in diesem – kleinen – Segment der Bedarf von Ärzten und Anwälten an Personal mit interkulturellen Kompetenzen zugunsten von – insbesondere – Bewerberinnen ausländischer Nationalität bzw. mit Migrationshintergrund auswirkt, so dass ihr Ausbildungsanteil vergleichsweise stabil bleibt.

Angesichts der demografischen Entwicklung und des prognostizierten Mangels an jungen Fachkräften liegt es jedoch im betrieblichen Interesse, bereits heute über dieses spezifische Ausbildungsmarktsegment hinaus, die Potenziale junger Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen und sie als junge Nachwuchskräfte zu qualifizieren.

Eine grundlegende Entspannung der Ausbildungslage ist jedoch augenblicklich nicht in Sicht. Doch weiterhin ist es erklärte bildungspolitische Zielsetzung der Sozialpartner, allen jungen Menschen in Deutschland eine voll qualifizierende Berufsausbildung zu ermöglichen – wenngleich auch weiterhin z. T. unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Zwar bietet die Neuformulierung des Berufsbildungsgesetzes hier neue Gestaltungsmöglichkeiten, doch auch deren konsequente Umsetzung wird bei weitem nicht genügen, die Ausbildungsmisere von jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu lösen.

Hierfür ist eine breit angelegte und abgestimmte Qualifizierungsoffensive dringend erforderlich. Dabei gilt es, die Heterogenität der Lebenslagen und die jeweils unterschiedlichen Lernvoraussetzungen junger Menschen mit Migrationshintergrund adäquat zu berücksichtigen. In allen Gruppen gibt es je einen unterschiedlich hohen Anteil junger Menschen, denen aus unterschiedlichen Gründen ein Ausbildungsabschluss fehlt und die trotzdem an einer qualifizierten Erwerbsarbeit interessiert sind (vgl. Granato 2006 a; Gutschow 2006;Troltsch 2003). Diesem Problem könnte mit (1) unterstützenden Maßnahmen vor Beginn, (2) einem Angebot an vollqualifizierender Ausbildung sowie mit (3) einer konsequenten Nachqualifizierung begegnet werden.

Dabei ist von dem Vorrang berufsbildungspolitischer Maßnahmen, die Schulabgängern eine berufliche Grundbildung vermitteln, die nicht zu einem anerkannten Abschluss führen, abzurücken. Maßnahmen der beruflichen Grundbildung haben im vergangenen Jahrzehnt zwar einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren (Ulrich 2004, 2006), führen aber nicht immer dazu, dass Absolventen dieser Maßnahme(n) in eine vollqualifizierende Ausbildung einmünden. Maßnahmen der beruflichen Grundbildung bedeuten für diejenigen Jugendlichen – mit und ohne Migrationshintergrund –, die über geeignete schulische Voraussetzungen für eine berufliche Erstausbildung verfügen und an dem Mangel an Ausbildungsstellen scheitern, (10) meist unnötige Warteschleifen, manchmal auch eine Sackgasse auf dem Weg zu einer beruflichen Erstausbildung. Daher sollte diesen Jugendlichen eine abschlussbezogene duale Ausbildung in einem integrierten bundesweiten Ausbildungsplatzprogramm ermöglicht werden. (11)

Seit Ende der 90er Jahre liegen die Angebote im Rahmen von Förderprogrammen zur beruflichen Nachqualifizierung in einem anerkannten Ausbildungsberuf fast brach. Die Ergebnisse der BIBB-Modellversuchsreihe (u. a.) sind nicht in ein eigenes Förderprogramm eingemündet (Gutschow 2006). Doch rund 1,4 Millionen junge Erwachsene ohne anerkannten Berufsabschluss in Deutschland (20–29 Jahre), darunter ein hoher Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund, lassen wesentliche Potenziale dieser Generation junger Menschen ungenutzt und schaffen zudem erheblichen sozialen Sprengstoff. Die berufliche Nachqualifizierung sollte daher – möglichst berufsbegleitend – ein weiteres zentrales Anliegen in einem eigenen Förderprogramm-Teil darstellen und möglichst einem großen Anteil junger Erwachsener ohne Berufsabschluss den Zugang zu einem anerkannten Berufsabschluss ermöglichen (Granato 2006 a). Dies hat auch die Bundesregierung erkannt und die Nachqualifizierung in ihr Regierungsprogramm aufgenommen. Das BMBF hat hierzu eigene bildungspolitische Aktivitäten ins Auge gefasst.

Angesichts des auch weiterhin angespannten Lehrstellenmarkts, insbesondere in Westdeutschland, ist daher ein integriertes Förderprogramm nicht nur für junge Menschen mit Migrationshintergrund notwendig, das die genannten Maßnahmen zielgruppenspezifisch und differenziert in einem abgestimmten Programm bündelt und integriert: 

  • die Berufsvorbereitung, 
  • die Durchführung bzw. Begleitung von vollqualifizierender Ausbildung in einem bundesweiten Ausbildungsplatzprogramm, 
  • die Nachqualifizierung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, 
  • die Unterstützung/Begleitung bei der Einmündung nach Abschluss der Ausbildung. (12)

Literatur 

  • Auernheimer, Georg (Hrsg.) (2003): Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder. Opladen. 
  • Beicht, Ursula; Berger, Klaus (2006): Ausbildungsprogramm Ost im Urteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Heft 3. 
  • Below, Susanne von (2003): Schulische Bildung, berufliche Ausbildung und Erwerbstätigkeit junger Migranten. Ergebnisse des Integrationssurveys des BIB. In: Bundesinstitut für Bevölkerungswissenschaft (Hrsg.): Materialien zur Bevölkerungswissenschaft Nr. 105 b. Wiesbaden. 
  • Boos-Nünning, Ursula (2006): Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten – ein vernachlässigtes Potential für Wirtschaft und Gesellschaft. In: Friedrich-Ebert-Stiftung/ Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): a. a.O. 
  • Boos-Nünning, Ursula; Karakasoglu, Yasemin (2004): Viele Welten leben. Lebenslagen von Mädchen und jungen Frauen mit griechischem, italienischem, jugoslawischem, türkischem und Aussiedlerhintergrund. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). Berlin. 
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (2006): Berufsbildungsbericht. Bonn. 
  • Diefenbach, Heike 2004: Ethnische Segmentation im deutschen Schulsystem. In: Forschungsinstitut Arbeit Bildung Partizipation e.V. (Hrsg.): Bildung als Bürgerrecht oder Bildung als Ware. Jahrbuch Arbeit, Bildung, Kultur, Band 21/22 2003/04, Recklinghausen. 
  • Eberhard, Verena; Krewerth, Andreas; Ulrich, Joachim Gerd (2005): Man muss geradezu perfekt sein, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt aus Sicht der Lehrstellenbewerber. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Heft 3, S. 10–13. 
  • Eberhard, Verena; Krewerth, Andreas; Ulrich, Joachim Gerd (Hrsg.) (2006): Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland. Bielefeld (erscheint demnächst). 
  • Friedrich-Ebert-Stiftung/Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Bonn. 
  • Friedrich, Michael (2006): Jugendliche in Ausbildung:Wunsch und Wirklichkeit. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Heft 3. 
  • Gogolin, Ingrid (2003): Chancen und Risiken nach PISA – über die Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern und Reformvorschläge. In: Auernheimer, Georg (Hrsg.) 2003: a. a.O. 
  • Goldberg, Andreas; Mourinho, Dora; Kulke, Ursula (1995): Arbeitsmarkt – Diskriminierung gegenüber ausländischen Arbeitnehmern in Deutschland. Veröffentlichung des internationalen Arbeitsamtes (IAA). Genf. 
  • Gomolla, Mechthild (2003): Fördern und Fordern alleine genügt nicht! Mechanismen institutioneller Diskriminierung von Migrantenkindern und -jugendlichen im deutschen Schulsystem. In: Auernheimer, Georg (Hrsg.) 2003: a. a.O. 
  • Granato, Mona (2006): Junge Frauen mit Migrationshintergrund – wenig Aussicht auf eine berufliche Ausbildung? In: Granato, Mona; Degen, Ulrich (Hrsg.): Berufliche Ausbildung von Frauen. Ergebnisse aus dem BIBB. Bielefeld. 
  • Granato, Mona (2006 a): Aussichten auf eine »zweite« Chance? Abschlussbezogene Nachqualifizierung für junge Menschen mit Migrationshintergrund realisieren. In: Friedrich- Ebert-Stiftung/Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): a. a.O. 
  • Granato, Mona; Schittenhelm, Karin (2003): Junge Migrantinnen zwischen Schule und Arbeitsmarkt – Ungleichheiten angesichts der Ausdifferenzierung einer Übergangsphase. In: Maria do Mar Castro Varela; Dimitria Clayton (Hrsg.): Migration, Gender, Arbeitsmarkt. Königstein. 
  • Granato, Mona;Werner, Rudolf (1999): Ausländische Jugendliche in Deutschland. In: ibv, Nr. 16 (Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der BA). Nürnberg. 
  • Granato, Nadia (2003): Ethnische Ungleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Opladen. 
  • Gutschow, Katrin (2006): Eine zweite Chance: Abschlussorientiert - berufsbegleitend - modular: das Konzept der Nachqualifizierung. In: Friedrich-Ebert-Stiftung/ Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): a. a.O. 
  • Haeberlein, Urs; Imdorf, Christian; Kronig, Winfried (2005): Verzerrte Chancen auf dem Lehrstellenmarkt. In: Zeitschrift für Pädagogik, Heft 1. 
  • Hummrich, Merle (2004): Bildungserfolg trotz Schule: Über pädagogische Erfahrungen junger Migrantinnen. In: Liegle, Ludwig; Treptow, Rainer (Hrsg.):Welten der Bildung in der Pädagogik der frühen Kindheit und in der Sozialpädagogik, S.140–153. Freiburg. 
  • OECD (2006): Wo haben Schüler mit Migrationshintergrund die größten Erfolgschancen? Eine vergleichende Analyse von Leistung und Engagement in PISA 2003. In: http://www.pisa.oecd.org/dataoecd/2/57/36665235.pdf (Stand.24. 5. 2006). 
  • Schaub, Günther (1991): Betriebliche Rekrutierungsstrategien und Selektionsmechanismen für die Ausbildung und Beschäftigung junger Ausländer. Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.). Berlin. 
  • Schittenhelm, Karin (2005): Statuspassagen. Junge Migrantinnen und Einheimische zwischen Schule und Berufsausbildung, Wiesbaden. 
  • Schittenhelm, Karin; Granato, Mona (2004): »Geschlecht« und »Ethnizität« als Kategorien der Jugendforschung. Junge Migrantinnen heute und die Differenzierung der einer Lebensphase. In: Diskurs Heft 1. 
  • Seibert, Holger; Solga, Heike (2005): Gleiche Chancen dank einer abgeschlossenen Ausbildung? In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 34, H. 5. 
  • Settelmeyer,Anke; Hörsch, Karola; Dorau, Ralf (2005): Ein anderer Blick auf Personen mit Migrationshintergund. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Heft 1, S. 34–38. 
  • Soja, Eva-Maria; Schulze, Erika (2003): Verschlungene Bildungspfade. Über die Bildungskarrieren von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In: Auernheimer, Georg (Hrsg.) 2003: a. a.O. 
  • Solga, Heike (2005): Ohne Abschluss in der Bildungsgesellschaft. Opladen. 
  • Stanat, Petra (2006): Schulleistungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Die Rolle der Zusammensetzung der Schülerschaft. In: Baumert, Jürgen; Stanat, Petra; Watermann, R. (Hrsg.): Herkunftsbedingte Disparitäten im Bildungswesen: Differentielle Bildungsprozesse und Probleme der Verteilungsgerechtigkeit. Vertiefende Analysen im Rahmen von PISA 2000. Wiesbaden. 
  • Troltsch, Klaus (2003): Bildungsbeteiligung und -chancen von ausländischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund. In: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Integration durch Qualifikation. Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten in der beruflichen Bildung. Ergebnisse,Veröffentlichungen und Materialien aus dem BIBB, S. 49–62. Bonn (unter: www.bibb.de/de/4925.htm). 
  • Uhly, Alexandra (2006): Neue Berechnungsweise der Ausbildungsquote ausländischer Jugendlicher. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Heft 3.
  • Uhly, Alexandra; Granato, Mona (2006):Werden ausländische Jugendliche aus dem dualen System der Berufsausbildung verdrängt? In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Heft 3. 
  • Ulrich, Joachim Gerd (2006): Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ergebnisse aus der BIBB-Berufsbildungsforschung. In: INBAS (Hrsg.): Werkstattberichte. Franfurt a. M. (im Erscheinen). 
  • Ulrich, Joachim Gerd (2004): Wege zwischen dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule und dem Beginn einer beruflichen Erstausbildung. In: ibv Nr. 23/04, S. 49–61. 
  • Ulrich, Joachim Gerd; Granato, Mona (2006): »Also, was soll ich noch machen, damit die mich nehmen?« Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Friedrich-Ebert-Stiftung/Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): a. a.O.

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(1) Zu den Ergebnissen des BIBB-Forschungsprojekts »Interkulturelle Kompetenzen junger Fachkräfte mit Migrationshintergrund: Bestimmung und beruflicher Nutzen« vgl. u. a. Settelmeyer u. a. 2006.
(2) Statistisches Bundesamt: Fachserie 11 (Bildung und Kultur), Reihe 3 (Berufliche Bildung), Wiesbaden verschiedene Jahrgänge. Zur Berechnung der Ausbildungsbeteiligungsqoute vgl. ausführlich Uhly 2006.
(3) Hierzu gehören: schulisches BVJ, BGJ, berufsvorbereitende AA-Lehrgänge, sonstige berufliche Schulen, allgemeinbildende Schule SeK I und Sek II sowie Praktika, vgl. Ulrich/Granato 2006.
(4) Zur Diskussion vgl. z. B. Boos-Nünning 2006.
(5) Zu den Ergebnissen von PISA für Jugendliche mit Migrationshintergrund, vgl. neben Beiträgen in Auernheimer 2003 auch OECD 2006, Stanat 2006. Zu den Ursachen für den mangelnden Schulerfolg von Migrantenkindern, vgl. u. a. Beiträge in Auernheimer 2003; Gogolin 2003; Gomolla 2003; Diefenbach 2004; Hummrich 2004. Zum Schulbesuch und den Schulabschlüssen ausländischer Jugendlicher, vgl. u. a. Stanat 2006; Uhly/Granato 2006.
(6) Zu den arbeitsmarkttheoretischen Ansätzen vgl. differenziert Granato, N. 2003, im Überblick Boos- Nünning 2006.
(7) Vgl. Solga 2005; Granato, N. 2003.
(8) Zur Diskussion vgl. z. B. Boos-Nünning 2006.
(9) Anteil der jungen Erwachsenen ohne anerkannten Berufsabschluss in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen in Deutschland. Zur Gruppe der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss zählen keine Grund- und Zivildienstleistenden, keine Personen in beruflicher Ausbildung, Fortbildung oder Umschulung und keine Schüler an allgemein bildenden Schulen oder Studenten an Hochschulen. Hinzugerechnet werden Jugendliche mit Anlernausbildung bzw. Praktikum. Vgl. Berufsbildungsbericht 2005.
(10) Sie gehören zur Gruppe der sog. »Marktbenachteiligten«.
(11) Dieses sollte sich an der betriebsnahen Variante des Ausbildungsprogramms Ost orientieren, das Jugendlichen direkt eine vollqualifizierende Berufsausbildung ermöglicht, vgl. hierzu Beicht/Berger 2006.
(12) Hinweise hierzu u. a. Beicht/Berger 2006; Gutschow 2006; Granato 2006 a, Boos-Nünning 2006; Ulrich/Granato 2006; Uhly/Granato 2006. Bestehende Einzelfördermaßnahmen, z. B. der Benachteiligtenförderung, aber auch andere bundesweite bzw. länderspezifische Programme wie z. B. zur außerbetrieblichen Förderung von marktbenachteiligten Jugendlichen in Ostdeutschland sind in einem einheitlichen Förderprogramm zusammenzuführen. Dies dient auch der Transparenz in diesem Bereich.