Aprilkinder
Regie: Yüksel Yavuz.
Spielfilm
BRD: 1998
Laufzeit: 85 Min.
Spielfilm
VHS-Kassette
FSK: 12
Bestand
1 Exemplar
Signaturen
1-04-12-25
Inhaltsbeschreibung
Cem verdient sein Geld mit einem Knochenjob in der Wurstfabrik. Sein Bruder Mehmet hängt auf der Straße herum und beginnt Drogengeschäfte. Dilan, die Schwester, bemüht sich um Mehmets schüchternen Freund Arif. Die Familie steht vor der Zerreißprobe, als Cem sich in eine deutsche Prostituierte verliebt. Denn die Heirat mit einer Cousine aus dem kurdischen Heimatdorf der Familie ist für die Eltern längst beschlossene Sache.
Yüksel Yavuz erzählt in seinem ersten Spielfilm mit Sensibilität, lakonischem Humor und einer im deutschen Film ungewöhnlichen Selbstverständlichkeit von der Generation junger Immigranten in Deutschland im Spannungsfeld zwischen alter und neuer Heimat.
Inhaltliche Schwerpunkte
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Kommentar
Im Rahmen eines literaturdiaktischen Seminar für Lehramtsstudenten mit dem Fach Deutsch habe ich das Video vorgeführt. Das Seminar behandelte die Frage, ob die tradionellen Lektüren im Deutschunterricht problemlos von Lesern anderer kultureller Herkunft rezipiert werden können und als Schullektüre auch Grundlage von Leistungsbewertungen werden können und sein sollten.
Das Semiar wurde von 24 deutschen und 8 türkischen und einem bosnischen Studenten besucht.
Die Reaktion auf das Video fiel wie folgt aus:
- Die deutschen Studenten nahmen das Video mit Interesse auf und sahen darin die Möglichkeit, die tradionellen Familienstrukturen vorgeführt zu bekommen. Dabei wurde besonders auf die konservativen Rollenverteilungen hingewiesen. Zugleich wurde die Sexualmoral thematisiert. Der Unterschied von türkischen und kurdischen Familien wurde nicht wahrgenommen. Weitgehend unbekannt war der ethnische Konflikt.
Die deutschen Studenten konnten sich für den Jahrgang 10 vorstellen, mit Hilfe dieses Videos und weiterer Medien eine sinnvolle Unterrichtseinheit zu ausgewählten Integrationszielen zu planen. - Die türkischen Studenten (mehrheitlich junge Frauen) wiesen den Film vehement zurück.
Der Film spiegele die Probleme der ersten und zweiten Zuwanderergeneration, nicht aber heutige Verhältnisse. Er transportiere ein Bild vom türkischen Leben, das so nicht zu verallgemeinern sei. Es bestehe die Gefahr, dass Vorurteile bestätigt werden.
Außerdem würde der Film Verhatlen und sprachliche Ausdrücke verwenden, die "einem im Herzen wehtun" würden, also als beleidigend empfunden würden.
Zudem handele es sich offensichtlich um Kurden, die in der Regel konservativer als Türken seien. Zudem müsse man wissen, dass die Kurden in drei Glaubensgruppen zerfallen, welche unterschiedliche, aber extrem konservative Verhaltensgrundsätze befolgen. Die Studenten wollten den Film keinesfalls im Unterricht als Grundlage für Integrationsunterricht sehen. Auf Rückfrage, ob literische Texte oder andere Medien bekannt seien, die das von ihnen als aktuell empfundene türkische Leben in Deutschland darstellen, konnten leider keine Beispiele genannt werden.
Kommentar eines Nutzers, 08.07.2011
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